
Czesław an der Hand seiner Großmutter. Dahinter seine Mutter (zweite von links)
und ihre Geschwister ©Mitrenga/dsk
beim Klick aufs Bild gibt es weitere Fotos
| Klaus ist tot - ein Nachruf | |
Bei Klaus ist es mehr. Nicht nur, weil ich ihn immer wieder interviewt und später Als Fünfjähriger war er 1943 aus dem Haus seiner polnischen Familie verschleppt geworden. Über mehrere Stationen landete er im Lebensborn-Heim in Bad Polzin – versehen mit einem deutschen Namen, einem falschen Geburtsdatum, mit gelöschten Erinnerungen, im Mund die frisch erworbene deutsche Sprache. Jahrzehnte später nahm ich Kontakt zu ihm auf. In einem Buch hatte ich ein paar Sätze über ihn gelesen – und sofort den Verdacht, er könnte ein Raubkind sein. Als der erste Brief von seiner Schwester aus Jarocin kam, war Klaus irritiert – und glücklich. Barbara schrieb, dass sie von ihm gewusst hatten, dass sie die Geschichte seiner Verschleppung kannten, dass seine Mutter immer um ihn getrauert hatte. Sie schickte Fotos, die ihn als Kind zeigten. Sie erklärte, dass sie ihn liebten, dass sie ihn unbedingt kennen lernen wollten. Aber Klaus hatte Einwände: Wie sollte das gehen? Sie hatten keine gemeinsame Sprache! Und er würde auf keinen Fall nach Polen fahren – da mochte seine Frau noch so sehr drängen. Wie klug von ihm. Er wusste, er spürte, dass er die Konfrontation nicht aushalten würde. Also bin ich gefahren, habe Fotos, Stimmen, Eindrücke gesammelt. Klaus hörte sich alles an, sagte wenig … Er brauchte immer noch Distanz. Erst als Monate später seine Schwestern zu Besuch kamen, brach das Eis. Die ganze Geschichte - auch den Weg der langen Recherche seines Schicksals - habe ich in meinem Buch "Raubkind. Von der SS nach Deutschland verschleppt" aufgeschrieben. |




