Mitten in Nordrach - "Schloss Rothschild":
Lungensanatorium, Lebensborn-Heim,
Pouponnière, Heim für psychisch Kranke ...

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Nachtrag: Neues aus Nordrach
 

Das ehemalige Lebensborn-Heim „Schwarzwald“ in Nordrach heißt jetzt „Schloss Rothschild“ – ein Name, der an die „Rothschildsche Stiftung“ erinnert. Die hatte 1905 das prächtige Haus mitten im Ort gekauft und darin eine Lungenheilstätte für jüdische Frauen eingerichtet. Jahrzehntelang reisten Kranke aus ganz Europa in den kleinen Ort im Schwarzwald, um ihre Tuberkulose auszukurieren.
Am 29. September 1942 kam das brutale Ende: Die letzten Patientinnen und das Personal wurden ´abgeholt´ und in Konzentrationslager verfrachtet.
Es verging kaum ein Monat, dann zog der Lebensborn ein und eröffnete das Entbindungsheim „Schwarzwald“. Es war das achte Heim der SS-Organisation. Bis zur Räumung im April 1945 kamen hier 247 Mädchen und Jungen zur Welt.

Nach Kriegsende wurde das Haus zum Lazarett, zuerst für amerikanische, später für französische Soldaten. Dann das nächste Kapitel. Weil die französische Regierung Kinder mit deutscher Mutter und französischem Besatzer-Vater als ihre Staatsbürger betrachtete, die nach Frankreich gehörten, wurden sie seit 1947 gesucht, einkassiert, auch wenn eine Mutter sich dagegen wehrte, und in eine Sammelstelle gebracht – ins ehemalige Lebensborn-Heim. In dieser „pouponnière“ untersuchte man sie auf Beeinträchtigungen (´solche´Kinder wollte man nicht haben), gab ihnen neue Namen und transportierte sie nach Frankreich, zur Adoption. Wieder wurden kleine Menschen – ihre Zahl wird auf etwa 400 geschätzt - zu Objekten gemacht, zu Objekten von Bevölkerungspolitik, von Ideologien, von Vergeltung …

Im November 1949 war der Spuk vorbei. Das Haus wurde rückübereignet, verkauft, ein Lungensanatorium zog ein, schließlich wurde es zum neurologisch-psychiatrischen Pflegeheim. Die Betreiber wechselten, das Klientel blieb. Bis 2019 - dann mussten die Frauen und Männer umziehen, weil das Haus die vorgeschriebenen Standards nicht mehr erfüllte. Wieder stand das Gebäude leer. Dann kaufte ein Unternehmer aus der Nachbarschaft „Schloss Rothschild“ – und baut es mittlerweile um, zu feinen Wohnungen.

An die ermordeten jüdischen Patientinnen wird in Nordrach seit vielen Jahren erinnert – mit einem Gedenkstein an der Zufahrt zum ehemaligen Sanatorium der Rothschildschen Stiftung (vgl. Blog 34).
Seit Mitte Juni 2025 steht eine große zweisprachige Erinnerungstafel daneben, auf der die Geschichte der deutsch-französischen Kinder erzählt wird. Zusammen mit dem französischen Verein „Cœur sans frontière“ hat der Historische Verein Nordrach dafür gesorgt, dass ihr Schicksal nicht vergessen wird.
Das Lebensborn-Heim erwähnt die Tafel mit einem einzigen Satz. 
Okay, es ist eine andere Geschichte, aber hätte sie nicht auch Platz gehabt?
Oder bleibt es außen vor, weil Lebensborn keine ´richtige´ Opfergeschichte ist?
Hoffentlich räumt der Geschichtsraum, der vom neuen Besitzer im Gebäude geplant ist, diesem schwierigen Thema den angemessenen Raum ein!

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