Plakat von 1952 mit den beiden Hauptfiguren.
Der Film ist bis heute auf DVD erhältlich

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"Haus des Lebens"
Ein alter Spielfilm, der den Begriff „Lebensborn“
einfach umformuliert
 

Auf den ersten Blick erzählt der Film von einer ganz normalen Frauenklinik mit einer ganz normalen Entbindungsstation. Da gibt es Schwangere und frisch Entbundene, einen Chefarzt, zwei Ärzte, eine Ärztin, eine Oberschwester, eine Menge anderer Schwestern, einen Pförtner, einen Gärtner … Ach ja, und Kindesväter tauchen gelegentlich auch auf.
Gedreht wurde der größte Teil des Films natürlich im Studio, bei der Bavaria in München- Geigelgasteig. Für die Außenaufnahmen ist das Filmteam allerdings –
und jetzt kommt es – nach Steinhöring gefahren, zum ehemaligen Lebensborn-Heim „Hochland“. Wer mit dem Gelände ein wenig vertraut ist und genauer hinschaut, erkennt den kleinen See, die Terrasse, den großen Balkon, die lange Fensterfront - die Rückseite des Hauses. Einmal kommt sogar die Mutter-und-Kind-Statue aus der Lebensborn--Zeit ins Bild, die bis heute auf dem Gelände steht.

Tatsächlich war 1951/1952, als der Film gedreht wurde, ein Kinderkrankenhaus dort untergebracht. Das Geschehen auf der Terrasse, das der Film in weiten Einstellungen immer wieder zeigt, könnte also ganz real gewesen sein. Denn da stehen Kinderbettchen in der Sonne, da laufen Schwestern herum … aber genauso gut kann das auch inszeniert sein.

So sehr es sich lohnt, einen Blick auf das Haus im Jahr 1951/1952 zu werfen, so sehr sei vor dem Inhalt des Films ´gewarnt´. Er ist nämlich schnulzig und bizarr zugleich. Schnulzig, weil er eine Liebesgeschichte zwischen Chefarzt, Ärztin und konkurrierender Oberschwester ins Zentrum rückt. Schnulzig, weil er von der Läuterung zweier Kindesväter erzählt: Der eine bekommt eine dritte Tochter - und bestraft dafür seine Frau mit Nichtachtung. Der andere – ein Kammersänger - ist ein selbstverliebter Schürzenjäger, der zwar Blumensträuße schickt, sich aber ansonsten wenig kümmert. Schnulzig, weil die Ärzte so einfühlsam und engagiert sind, dass sie schließlich alles, aber wirklich alles zum Guten wenden!
Bizarr ist der Film, weil Figuren, Probleme und Konstellationen auch aus dem Lebensborn-Heim stammen könnten. Von „Rasse“ und „gutem Blut“ ist natürlich nicht mehr die Rede, die SS-Rune ist durch das Kreuz an der Wand ersetzt. Aber sonst ... Da gibt es die ledige junge Frau, die das Kind nicht haben will, es dann aber annimmt. Den Star (eine Sängerin), die den Verlust von Stimme und Aussehen fürchtet – und nach der Geburt plötzlich ein anderer Mensch ist. Die vernachlässigte Ehefrau … Und nicht zuletzt die Ärztin, die keine Kinder bekommen kann und deshalb auf das Eheglück verzichten will. Mutterschaft ist halt nach wie vor die wahre Erfüllung der Frau - und der Sinn der Ehe. Schließlich der Filmtitel: Er modernisiert das Wort „Lebensborn“ einfach und macht daraus „Haus des Lebens“.

Übrigens stammt der Roman, auf dem der Film basiert, von 1939!

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