Die Einladung zum Festakt in Celje

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27. September 2025: Slowenien ehrt
 

In Celje, einer kleinen Stadt im Norden Sloweniens, findet am 27. September eine feierliche Ehrung statt. Alte Frauen und Männer stehen im Mittelpunkt. Alte Frauen und Männer, die 1942 als so genannte „Banditenkinder“ ihren Familien, ihrem Lebensumfeld entrissen wurden. Die von NS-Organisationen – unter anderem vom Lebensborn - wegen ihres so genannten „guten Blutes“ ins Deutsche Reich verfrachtet wurden, um sie zu „germanisieren“.

Einige haben die seelische und körperliche Tortur nicht überstanden. Einige wurden nach Kriegsende von ihren Angehörigen (soweit diese Verfolgung und Terror überlebt hatten) gefunden und konnten nach Slowenien zurückkehren. Einige wuchsen bei ihren deutschen Pflege- oder Adoptiveltern auf. Manche erfuhren, was mit ihnen geschehen war, manche mussten lange recherchieren, bis sie eine Spur fanden …

Zu ihnen gehört Ingrid von Oelhafen. Ihre Geschichte und die von drei anderen slowenischen Raubkindern hat Maja Weiss in einem beeindruckenden Film erzählt (vgl. Blog 27). Ihre Arbeit, vor allem aber die jahrelangen Aktivitäten des Vereins geraubter slowenischer Kinder haben auf deren Schicksale aufmerksam gemacht. Und sind dabei auf Interesse und Mitgefühl gestoßen – auch bei Politikerinnen und Politikern. Nun findet 80 Jahre nach Kriegsende in Slowenien ein Staatsakt statt, mit der Präsidentin des Landes!

Ingrid von Oelhafen ist dazu eingeladen – sie freut und wundert sich gleichzeitig.
In einer Mail schreibt sie mir:
„Ich bin immer wieder erstaunt, wie aktiv das Thema der geraubten Kinder in Slowenien bearbeitet wird. Deutschland hat sich m.E. nie verantwortlich gefühlt.
Ich kann es natürlich nur aus meiner Sicht beurteilen. Als ich Kenntnis von meiner Herkunft durch Dr. Lilienthal erhielt und mich an das Innenministerium zwecks Hilfestellung wandte, wurde ich sofort abgewimmelt (so empfand ich es) mit dem Hinweis, mich an Slowenien zu wenden. In meiner naiven Vorstellung meinte ich eigentlich, dass Deutschland ja der Verursacher gewesen ist und hätte mehr helfen können.“

Stattdessen sortierte das deutsche Finanzministerium das Schicksal der geraubten Kinder als „allgemeines Kriegsfolgenschicksal“ ein – damit waren Ansprüche auf Entschädigung abgewehrt. Klagen auf Entschädigung wurden über mehrere Instanzen abgewiesen. Erst 2022 konnte sich ein einzelnes Bundesland (Baden-Württemberg) zu einer Zahlung von 5000 Euro pro Person durchringen. Tatsächlich ausgezahlt wurde der Betrag an drei Betroffene ...


PS
Celje wurde 1942 zum Ort des Grauens. Im Gefängnishof erschossen die deutschen Besatzer 61 Männer und sechs Frauen. Sie galten als „Banditen“, tatsächlich waren sie Widerstandskämpfer, Partisanen. Auch Frauen und Kinder blieben nicht verschont. Die Frauen wurden in Konzentrationslager deportiert, die Kinder landeten in den Händen so genannter „Rassenprüfer“, die sie unter ihre Lupe nahmen.

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