| Chiffre Lebensborn | |
Ahnenforschung ist also nach wie vor aktuell, aus historischem Interesse, aus Familiensinn, weil es etwas Unausgesprochenes, Geheimnisvolles gibt, das die Absender nicht loslässt. Ihre Mails und Briefe zeigen, wie viel in Familien nach wie vor geschwiegen wird, gelogen wird. Sie zeigen, dass nicht nur die Betroffenen darunter leiden, sondern auch ihre Kinder daran zu tragen haben. Wie gut, dass sie irgendwann die Energie und den Mut aufbringen, sich auf die Suche zu machen, um Licht ins Dunkel zu bringen. Was mich immer wieder verblüfft, ist der schnelle Rückschluss vom Familiengeheimnis auf den Lebensborn. Eigentlich müsste schon ein Blick auf den Wikipedia-Beitrag „Lebensborn“ Aufklärung bringen - dort werden u.a. die Orte auflistet, an denen Lebensborn-Heime existierten. Und damit erledigt sich eigentlich die Frage, ob es in „Stettin“ oder „Niederschlesien“ (Beispiele aus den Mails und Briefen) ein Lebensborn-Heim gegeben hat. Mittlerweile denke ich, dass „Lebensborn“ zur Chiffre für Familiengeheimnisse schlechthin geworden ist. Warum? Weil diese Geheimnisse dadurch einen sensationellen Touch bekommen? Weil diese Chiffre eine historische Dimension eröffnet, die den innerfamiliären Raum überschreitet - und damit die schweigenden Vorfahren entlastet? Ein verständlicher Wunsch, wenn es um Angehörige geht, die geachtet, respektiert, geliebt werden. Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen: Mich beschäftigen diese Anfragen. Weil ich denke, dass Menschen, die sich auf die Suche machen, Unterstützung brauchen. Und weil mir so viel Vertrauen entgegengebracht wird. Also beantworte ich die Fragen - so gut ich kann. Allerdings würde ich mich freuen, wenn hin und wieder eine Rückmeldung käme, angefangen vom Dankeschön bis zur Info über den Fortgang der Recherche. Denn ich bin immer noch neugierig – auch wenn es nicht um den Lebensborn geht! |

