
Grüner Wald und weiße Felsen. In der südharzer Karstlandschaft ©dsk
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| Wandern in Geschichte(n). Ein paar Tage im Südharz | |
Nach so viel Geschichte wollten wir in die Natur. Wir entschieden uns für den „Karstwanderweg“, der an Walkenried vorbeiführt. Frischgepflügte, rot-braune Felder, ein herrlicher alter Buchenwald, fast weiße, schroffe Hänge ... Und schon wieder – die Geschichte. Die Karstlandschaft, die den Harzer Südrand umschließt, war einmal ein wichtiger Wirtschaftsraum, wo der Gipsabbau florierte. Heute sind die meisten Steinbrüche ausgebeutet und sich selbst überlassen. Eine Landschaft von eigenartiger Schönheit, in der die Natur sich ihr Terrain zurückholt. Ein paar Kilometer weiter standen wir vor der nächsten „Geschichte“ – vor einem Erinnerungsort. Schon im Wald waren uns verfallene Backsteinmauern aufgefallen. Dann, direkt am Bahnhof von Ellrich, die Erklärung: Die ehemalige Gipsfabrik „Juliushütte“ war in der NS-Zeit ein Konzentrationslager – eins der 40 Außenlager des KZ Dora. 8000 Häftlinge waren hier unter mehr als erbärmlichen Bedingungen untergebracht, um auf Baustellen in der Umgebung zu schuften. Wo war jetzt eigentlich der Harz? Von Walkenried aus Richtung Norden! Zum Schluss wollten wir unbedingt zur Gedenkstätte „Konzentrationslager Dora“, wo in unterirdischen Tunneln seit 1943/44 Waffen produziert wurden. Darunter die V2, die so genannte „Vergeltungswaffe 2“, die vor allem Antwerpen und London in Schutt und Asche legen sollte. Und wer produzierte sie? In den Tunneln des Kohnstein? KZ-Häftlinge aus 21 Ländern, vor allem aus der Sowjetunion, aus Polen, Frankreich, Belgien … Etwa 60 000 Männer verfrachtete die SS (zwischen August 1943 bis März 1945) nach „Dora“. 12 000 von ihnen starben laut SS-Buchführung, vorsichtige Schätzungen gehen von mindestens 20 000 Toten aus. Die Tunneleingänge wurden 1947 gesprengt - knapp fünfzig Jahre später ließ die Gedenkstätte einen neuen Zugang bauen. Seitdem gibt es Führungen in die Unterwelt … |










