
Trotzdem da! Die Ausstellung in der Berliner "Dokumentationsstätte NS-Zwangsarbeit"
ist bis zum 26. April 2026 zu sehen
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| "Trotzdem da!" macht jetzt Station in Berlin | |
"Trotzdem da" ist überraschend bunt und leuchtend, denn eine "traurige Ausstellung", so eine Mitarbeiterin, sollte auf keinen Fall entstehen. Schließlich wird hier von Liebe und Leben, von Widerspruch und Widerstand erzählt. Von Frauen und Männern, die trotz aller Verbote zusammenkamen, ein Kind zeugten, das geboren wurde und es geschafft hat, den brutalen Startbedingungen seines Lebens zu trotzen. Kinder von Zwangsarbeitern bzw. Kriegsgefangenen und deutschen Frauen waren im NS-Staat alles andere als willkommen. Im Gegenteil: Wenn bekannt wurde, wer der Erzeuger war, mussten die werdenden Eltern mit Ausgrenzung, Verfolgung, Bestrafung rechnen. Frauen wurden geschoren, an den Pranger gestellt, ins Gefängnis und im schlimmsten Fall ins KZ-Ravensbrück gesteckt. Männer - vor allem Männer aus der Sowjetunion und Polen – mussten mit dem Tod rechnen, wegen so genannter "Rassenschande". Kein Wunder, dass viele Frauen versuchten, den Kindesvater oder sogar das Kind geheim zu halten. Manche benannten einen anderen Mann, manche erklärten, sie wüssten nicht, wer der Erzeuger ist, manche gaben das Baby so schnell wie möglich fort … So konnten sie sich, den Kindesvater und auch das Kind retten. Die Folgen für das Kind waren allerdings oft verheerend. Denn die meisten Frauen hielten über den Krieg hinaus an ihrem Geheimnis fest und schwiegen. Auch gegenüber ihrem Kind. So erfuhren manche erst nach dem Tod der Mutter, wer ihr Vater ist. Andere hatten es schon früh auf der Straße gehört. Oder waren ihrem Gefühl "Irgendetwas-stimmt-nicht" gefolgt, hatten gesucht, gefragt, herumgeschaut und selbst die Wahrheit herausgefunden. Wer sich dann auf die Suche nach dem Vater machte, hatte innere und äußere Schwierigkeiten zu überwinden, und wer den Mann gefunden hatte, in Griechenland oder Frankreich oder Russland, war dort nicht unbedingt willkommen. Oder kam zu spät. Das große Schweigen hat auch dazu geführt, dass wir bis heute nicht wissen, wie viele Kinder in diesen "verbotenen Beziehungen" geboren wurden. Daran würde die Ausstellung gerne etwas ändern. Schon im Vorfeld hat das Team nach Menschen mit diesem Schicksal gesucht und dazu ermuntert, sich zu zeigen – und auch jetzt ist jede und jeder willkommen. Die eigene Geschichte zu erzählen, sich mit anderen Betroffenen auszutauschen. Die neun Frauen und Männer, die die Ausstellung zeigt, haben diesen Prozess als große Erleichterung erlebt. "Ich fühle mich jetzt nicht mehr allein," sagt einer von ihnen. Wer die Ausstellung online anschauen möchte, hier der Link Um Kinder von Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeitern |




